Osteochondrose – bedeutet die Diagnose ein Schicksal als Schmerzpatient?

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Neue Hoffnung im Kampf gegen Osteochondrosis oder auch Osteochondrose - Dr. Gründler klärt auf:

Noch bis vor wenigen Jahren bedeutete die Diagnose Osteochondrosis oder auch Osteochondrose ein schweres Schicksal für Patientinnen und Patienten. Denn sie war schwer zu behandeln und geht immer mit einem massiven Schmerzgeschehen einher. Durch die rasch fortscheitende medizinische Forschung haben wir heute Therapiemöglichkeiten an der Hand, die zurecht Hoffnung machen.

Die Behandlung der Osteochondrose erfordert einen integrierten Ansatz und hat höhere Chancen auf eine schnelle Heilung, wenn der Patient möglichst rasch einen Arzt konsultiert. Ein Fortschreiten der Erkrankung kann zu schweren Folge- und Langzeitschäden führen. Das Verschleppen oder Ignorieren der Krankheitssymptome ist daher kontraindiziert!

Was ist eine Osteochondrose?

Osteochondrose ist ein Sammelbegriff für eine Familie von Erkrankungen, die das Knochenwachstum bei Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen beeinflussen. Die Störung des Blutflusses zu den Gelenken ist häufig die Ursache.

Obwohl bestimmte Krankheiten in dieser Familie ältere Erwachsene betreffen können und degenerativer Natur – also Abnützungserscheinungen – sind, tritt diese Form der Knochenerkrankung vor allem bei Kindern und Jugendlichen auf, deren Knochen noch im Wachstum begriffen sind.

Eine Reihe von Krankheiten fallen in die Kategorie der Osteochondrose. Sie betreffen verschiedene Teile Ihres Körpers. Sie werden normalerweise in eine von drei Kategorien eingeteilt, je nachdem, wo sie auftreten. Sie können artikulär sein (ein Gelenk betreffen), physisch oder nicht artikulär.

Die häufigsten artikulären Erkrankungen (Gelenkerkrankungen) sind:

Die häufigste physische Osteochondrose ist die

Die häufigsten nicht artikulären Erkrankungen sind:

Osteochondritis dissecans ist eine andere, oftmals die fortgeschrittene Form der Osteochondrose. Sie tritt auf, wenn sich kleine Knorpel- und Knochenstücke aufgrund mangelnder Durchblutung im Gelenk lösen. Dies kann in jedem Teil des Körpers auftreten, am häufigsten jedoch im Knie.

Bei akuten Beschwerden sprechen wir von einer aktivierten Osteochondrose. Diese wird vorrangig mit der Gabe von Schmerzmitteln und Physiotherapie, oft auch sehr erfolgreich mit der Kernspinresonanztherapie (MBST) behandelt. Wenn diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen, wird eine Operation ins Auge gefasst.

Läuferin mit Knochenmarködem sitzt auf dem Boden auf einer Rennbahn und hält sich das linke knie vor Schmerzen

Wie äußert sich eine Osteochondrose?

Lokalisierte Schmerzen an der betroffenen Stelle sind das Symptom in der Anfangsphase. Bei der Untersuchung kann eine lokalisierte Schwellung, Empfindlichkeit, begrenzte Bewegung eines nahe gelegenen Gelenks festgestellt werden. Die Beteiligung der unteren Extremitäten kann zu Gangproblemen führen. Die Schmerzen können entweder durch körperliche Aktivität oder durch Druck auf den Bereich auftreten.

Weitere Symptome können sein:

Die Laborbefunde sind meist normal. Doch Röntgenaufnahmen können bereits im Frühstadium gewisse pathologische Veränderungen anzeigen. Die diagnostische Methode der Wahl ist hier jedoch die MRT-Untersuchung.

Gelenkarthrose ist eine typische Spätkomplikation bei schlechter Restauration oder zu später Behandlung.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für Osteochondrosen wurden bisher nicht ausreichend erforscht. Vorgeschlagene Ursachen sind repetitive Mikrotraumata, Gefäßversagen der Gefäßarchitektur am Perichondrium, lokale Ischämie nach einer einzelnen Verletzung und genetische Veranlagung.[1]

Häufige Faktoren sind Knochenbelastung, verminderte Blutversorgung des betroffenen Bereichs und Trauma des Knochens. Osteochondrosen können auch durch sportliche Aktivitäten und Sportverletzungen auftreten.

Osteochondrose tritt fast ausschließlich bei Kindern und Jugendlichen bis zu einem Alter von ungefähr 20 Jahren auf. Sie wird zunehmend als Ursache für Gelenkschmerzen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Sportlern angesehen, was vermutlich auf eine frühe und intensive Betätigung im Leistungssport zurückzuführen ist. Es gibt jedoch keine eindeutigen Beweise, die diese Annahme stützen, und trotz vieler Spekulationen bleibt die Ursache sowohl für Osteochondritis dissecans sowohl bei Jugendlichen als auch Erwachsenen unklar.[2]

Kinder- und Jugendorthopädie im Leistungssport - Kinder auf einem Baseballfeld

Juvenile Osteochondritis dissecans scheint jedenfalls mit einem hohen Aktivitätsniveau bei Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter verbunden, was ein sich wiederholendes Trauma als primären Mechanismus begünstigt. Mit dem anfänglichen Trauma entwickelt sich ein Fokusbereich von Hypovaskularität (Gefäßunterversorgung), Nekrose und Kollaps des Knochens, die zu Chondromalazie (Knorpeldefekt) führen können. Der nekrotische Knochen wird dann durch subchondrale Trabekel (kleine Knochenwucherungen) oder Knorpel ersetzt. Mit fortschreitender Läsion verursachen Schwerpunkte der Demineralisierung und wiederholte Scherkräfte eine Ablösung des Knochens und des darüber liegenden Knorpels. Eine wiederholte axiale Belastung kann in dieser Phase eine wichtige Rolle spielen, insbesondere im Knie.

Osteochondritis dissecans kann auch in einem familiären Muster auftreten und wurde bei identischen Zwillingen beschrieben.[3] Daher scheint eine genetische Veranlagung bei einigen Patienten eine Rolle zu spielen.

In einer anderen bevölkerungsbezogenen Beobachtungsstudie mit über einer Million Patienten wurden 192 Kinder im Alter von 6 bis 19 Jahren mit Osteochondritis dissecans des Knies identifiziert und die Gesamtinzidenz der Krankheit betrug 9,5 pro 100 000, wobei die höchste Inzidenz bei Patienten zwischen 12 und 19 Jahren lag. In dieser Studie trat OCD bei männlichen Patienten häufiger auf als bei weiblichen (bereinigter OR 3,8).[4]

Diagnose

Am Anfang der Diagnose steht eine ausführliche Anamnese durch den behandelnden Arzt. Es stehen mehrere bildgebende Verfahren für die Festlegung der Diagnose zur Verfügung.

Die Magnetresonanztomografie (MRT) kann die Krankheit bereits im asymptomatischen Stadium erfassen. Die MRT kann den umgebenden Knorpel und den subchondralen Knochen beurteilen, die auf einfachen Röntgenaufnahmen nicht zu sehen sind. Frühe MRT zeigen fokale Hyperintensitäten in der Epiphyse oder benachbarten Weichteilen, was auf ein Ödem hinweist. Es ist auch ein Marködem im Elternknochen zu sehen. Periphere Unregelmäßigkeiten können sichtbar gemacht werden.

Die Knochenszintigrafie ist ein spezifischer Test, der das Problem vor dem Auftreten von Symptomen aufgreifen kann. Sie kann eine geringe Stoffwechselaktivität und einen geringen Blutfluss im Knochen darstellen.

Als weitere bildgebende Verfahren werden Computertomografie (CT), Einzelphotonenemissions-Computertomografie (SPECT), Ultraschall (US) und Radionuklid-Knochenscan für die Bewertung von Osteochondritis dissecans herangezogen. Bei den meisten Patienten reicht jedoch das MRT aus, um die Diagnose zu stellen und zusammen mit den klinischen Befunden das weitere Management zu bestimmen.

Patientin liegt auf der Bare eines MRT Geräts, im Hintergrund Ärzte

Behandlung einer Osteochondrose und Osteochondritis dissecans

Die Behandlung von Osteochondritis dissecans soll die normale Funktion des betroffenen Gelenks wiederherstellen, Schmerzen lindern und das Risiko für Arthrose verringern. Das wichtigste Ziel bei der Behandlung der artikulären Osteochondrose ist ein kongruentes, bewegliches und schmerzloses Gelenk. Nicht artikuläre Osteochondrosen heilen normalerweise mit einer Ruhigstellung. Insbesondere bei Kindern, deren Knochen noch wachsen, kann der Knochendefekt mit einer Ruhe- und Schutzphase / Entlastung ohne invasive Maßnahmen ausheilen.[5]

Zunächst wird der behandelnde Arzt wahrscheinlich konservative Maßnahmen empfehlen.

Insgesamt kann eine Therapie Folgendes umfassen:

Gelenk ausruhen:

Vermeiden Sie Aktivitäten, die Ihr Gelenk belasten, wie z. B. Leistungssport und andere Belastungen. Ihr Arzt wird Ihnen möglicherweise auch eine Schiene zur Entlastung oder andere Maßnahmen empfehlen, um das Gelenk für einige Wochen ruhigzustellen.

Physiotherapie:

Meistens umfasst diese Therapie Dehnungs-, Bewegungsübungen und Kräftigungsübungen für die Muskeln, die das betroffene Gelenk unterstützen. Physiotherapie wird auch nach einer Operation empfohlen.

Kernspinresonanztherapie, Stoßwellentherapie:

Die durchblutungsfördernden Eigenschaften moderner Therapiegeräte können sich signifikant positiv auf die Heilungschancen auswirken und eine raschere Regeneration des Knochen- und Knorpelgewebes ermöglichen. Ihr Arzt wird nach einer sorgfältigen Anamnese entscheiden, welche Methode im individuellen Fall die besten Ergebnisse bringen kann.

Operation:

Es gibt zwei Hauptindikationen für eine Operation:

  • Wenn ein loses Fragment im Gelenk auch nach dem Abschluss der Wachstumsphase noch vorhanden ist,
  • wenn konservative Therapien nach vier bis sechs Monaten keine Besserung gezeigt haben.

Da Osteochondritis dissecans eine Gruppe von Erkrankungen umschreibt, ist auch die Wahl der Therapie und Operationsmethode von Fall zu Fall verschieden. Die Art der Operation hängt von der Größe und dem Stadium der Verletzung und von der Knochenreife ab. Der Arzt wird im individuellen Fall entscheiden, ob und in welcher Form eine Operation die volle Bewegungsfähigkeit des Patienten wiederherstellen kann.

Quellen

[1] Siehe z. B. DeLee J. C., Drez Jr D., Miller M. D. DeLee & Drez’s Orthopaedic Sports Medicine Principles and Practice, 2nd ed, Elsevier Science, Philadelphia 2003. Chambers H. G., Shea K. G., Carey J. L. Clinical Practice Guideline: diagnosis and treatment of osteochondritis dissecans. Am Acad Orthop Surg. 2011; 19 (5): 307. Griffin L. Y. (Ed). Essentials of Musculoskeletal Care, 3rd ed, American Academy of Orthopedic Surgeons, Rosemont 2005.

[2] Siehe z. B. Robertson W., Kelly B. T., Green D. W. Osteochondritis dissecans of the knee in children. Curr Opin Pediatr. 2003 Feb; 15 (1): 38–44.

[3] Onoda S., Sugita T., Aizawa T., Ohnuma M., Takahashi A. Osteochondritis dissecans of the knee in identical twins: a report of two cases. J Orthop Surg (Hong Kong). 2012; 20 (1): 108.

[4] Kessler J. I., Nikizad H., Shea K.G., Jacobs J. C. Jr, Bebchuk J. D., Weiss J. M. The demographics and epidemiology of osteochondritis dissecans of the knee in children and adolescents. Am J Sports Med. 2014; 42 (2): 320.

[5] Chambers, Henry G. MD; Shea, Kevin G. MD; Anderson, Allen F. MD; Brunelle, Tommy J. (JoJo) PT, DPT; Carey, James L. MD; Ganley, Theodore J. MD; Paterno, Mark V. PT, PhD; Weiss, Jennifer M. MD; Sanders, James O. MD; Watters, William C. III, MD; Goldberg, Michael J. MD; Keith, Michael W. MD; Turkelson, Charles M. PhD; Wies, Janet L. MPH; Raymond, Laura MA; Boyer, Kevin M.; Hitchcock, Kristin MLS; Anderson, Sara MPH; Sluka, Patrick MPH; Boone, Catherine BS; Patel, Nilay MA. Diagnosis and Treatment of Osteochondritis Dissecans, American Academy of Orthopaedic Surgeon: May 2011; Volume 19 (5): 297–306.

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