Winterzauber ohne Reue: Verletzungen beim Wintersport

Beitragsbild - Winterzauber ohne Reue - Verletzungen beim Wintersport - Links ein Bild einer Snowboarderin

Wintersportverletzungen und wie Sie richtig damit umgehen und sich davor schützen können

Wer freut sich nicht schon Wochen und Monate auf die Wintersaison mit ihren beliebten Outdoor-Sportarten: Skifahren, Skitouren, Snowboarden, Langlaufen und vieles mehr. Doch oft beendet eine schwere Sportverletzung den Winterzauber jäh. Diesmal möchte ich aber das Augenmerk auf jene kleinen Verletzungen richten, die wir zunächst nicht ernst nehmen.

 

Ein kleiner unachtsamer Augenblick, eine Bodenwelle, schlechte Sicht: Schon kann ein Sturz passieren, das Knie dreht sich unglücklich nach außen, der Ski verliert den Halt und wir landen unsanft auf der Hüfte. Doch wenn der akute Schmerz nicht lange anhält und alles in Ordnung scheint, stehen wir wieder auf und fahren weiter. So weit, so schlecht.

Die häufigsten Wintersportverletzungen

Etwas mehr als zehn Prozent aller Wintersportler verletzten sich in jeder Skisaison, ein Prozent so schwer, dass ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig ist. Knieverletzungen stehen im Gegensatz zur landläufigen Meinung an erster Stelle der Verletzungen im Wintersport. Gefolgt werden sie von Traumata an der Schulter und der Hüfte. „Klassische“ Beinbrüche gibt es hingegen nur noch selten!¹

Bei den Knieverletzungen sind zumeist das Innenband und das vordere Kreuzband betroffen. Eine typische Skiverletzung ist auch der sogenannte „Ski-Daumen“:
Er kann bei einem Sturz auf den abgespreizten Daumen entstehen, wobei ein Band am Daumengrundgelenk reißt.

Schaubild eines Kniegelenks mit eingezeichneten Bestandteilen - Äußeres Seitenband, Vorderes Kreuzband, Hinteres Kreuzband, Inneres Seitenband

Am häufigsten von Wintersportverletzungen betroffen: Das Kniegelenk

Im Wintersport sind das vordere Kreuzband und das Innenband des Knies besonders gefährdet. Das vordere Kreuzband verleiht dem Kniegelenk Stabilität. Es ist etwa 1 bis 1,5 cm dick und hält einer Belastung von über 200 kg stand. Es ist wesentlich verletzungsanfälliger als das hintere Kreuzband, da gerade im Skisport Rotationstraumen des Kniegelenks sehr häufig vorkommen.

Das Innenband stabilisiert das Kniegelenk in seitlicher Richtung. Es ist besonders gefährdet, wenn der Unterschenkel in einem falschen Winkel nach außen gezwungen wird.

Ein Kreuzbandeinriss kann unter bestimmten Umständen auch über Jahre unerkannt bleiben, da sie manchmal kaum Beschwerden verursacht. Ein subjektives Gefühl von Instabilität im Knie, begleitet von häufigen Um- bzw. Wegknicken des Beins (Wackelknie) treten häufig auf und führen zu einer Fehlbelastung von Menisken und Knorpeln.

So wenig beeinträchtigend die Beschwerden zunächst sein mögen, sind die Folgeschäden doch schwer: Ein Meniskusriss und Knorpelschäden, gefolgt von einer Arthrose durch die Reibung des Knochens, können in späteren Jahren die Bewegung stark beeinträchtigen. Deshalb müssen beide Verletzungen, die des vorderen Kreuzbandes und des Innenbandes, möglichst frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden, um bleibende Dauerschäden zu vermeiden

Warum gehen Patienten nicht sofort zum Arzt?

Viele dieser Verletzungen manifestieren sich eindeutig durch den heftigen, anhaltenden Schmerz und eine Schwellung als schwer genug, dass die Patienten noch am Urlaubsort rasch einen Arzt aufsuchen. Doch es gibt auch solche, die zwar schmerzhaft sind, aber von den Patienten verschleppt werden, um den Urlaub nicht abbrechen zu müssen. Ein anderer Grund kann sein, dass Patienten lieber den Arzt ihres Vertrauens zu Hause aufsuchen und deshalb die Verletzung nicht sofort behandeln lassen.

 

Der dritte, häufigste Grund für eine verschleppte Wintersportverletzung ist hingegen, dass Patienten ihre Verletzung nicht als schwer genug wahrnehmen, um einen Arzt zu konsultieren. Ein paar Schmerzmittel und eine Traumasalbe sollen es richten, so die landläufige Meinung. Hier sitzen viele einem gefährlichen Trugschluss auf: Es kann mehr kaputt sein, als ein Laie auf den ersten Blick erkennen kann. Vor allem: Sportverletzungen bauen sich auf. Beim nächsten oder übernächsten Sturz ist die vorgeschädigte Sehne dann vollends gerissen oder in der angeknacksten Hüfte bildet sich ein extrem schmerzhaftes und folgenschweres Knochenmarködem.

Deshalb rate ich aus meiner Praxis: Auch bei vermeintlich harmlosen Verletzungen, die länger als eine Woche Schmerzen bereiten – zum Arzt!

Wintersportverletzungen - Langläufer läuft durch einen verschneiten Wald

Diagnose einer Wintersportverletzung

Da auch eine scheinbar leichte Sportverletzung vielfältige Auswirkungen und unangenehme Folgen haben kann, ist es anzuraten, einen guten und erfahrenen Diagnostiker aufzusuchen. Je leichter die Verletzung, umso schwerer die Diagnose. Mit Hilfe eines Röntgen Apparates lassen sich beispielsweise winzige Haarrisse des Knochens oder kleine Absplitterungen erkennen, wohingegen in der MRT (Magnetresonanztomografie) Verletzungen des Gewebes, Bänderrisse oder Ödeme sichtbar gemacht werden können, die man mit bloßen Augen niemals erkennen würde. Ein Arzt, der viele solcher Verletzungen gesehen hat, weiß genau, worauf er achten muss und worauf es bei der folgenden Therapie ankommt.

Vorbeugende Maßnahmen

Kommen wir zum am häufigsten betroffenen Körperteil zurück, dem Knie. Die Anatomie des Kniegelenks ist neben den Gelenkknorpeln und Menisken von vier Stabilisierungsbändern geprägt, nämlich den beiden Seitenbändern und dem vorderen und hinteren Kreuzband. Diese sind für die Funktion des Knies unerlässlich, daher sollten wir besonders auf die Gesunderhaltung dieser Sehnen achten.

Wintersportverletzungen - Drei Ärzte mit Stethoskop begrüßen einen Patienten

So können Sie Wintersportverletzungen wirksam vorbeugen:

[1] David Schulz, Unfälle und Verletzungen im alpinen Skisport. Zahlen und Trends der Saison 2017/2018. Hrsg. Auswertungsstelle für Skiunfälle, ARAG Allgemeine Versicherungs-AG – Sportversicherung, Düsseldorf, 2018.

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