Knochenmarködem – die verborgene Gefahr für den Bewegungsapparat

Sportlerin steht am Meer, rechts daneben der Text "Knochenmarködem - Die verborgene Gefahr für den Bewegungsapparat"
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Dr. Johannes Gründler über Symptome, Diagnose und Therapieformen bei Knochenmarködem

Unzählige Menschen leiden oft schon in jüngeren Jahren an einer Erkrankung, die sich im Verborgenen langsam aufbaut, doch große Schmerzen und Leidensdruck verursachen kann.

Betroffen sind Gelenke wie Hüft-, Fuß- oder Kniegelenk, die durch Sport oder andere Belastungen ein- oder mehrmals geprellt bzw. verletzt wurden. Gemeint ist das Knochenmarködem, eine erst 1988 vollständig erkannte und beschriebene Flüssigkeitsansammlung im Knochen, die unbehandelt sogar zu einem Absterben des Knochens (Nekrose) führen kann.

Wie entsteht ein Knochenmarködem?

Wie genau entsteht ein Knochenmarködem überhaupt, und warum sind so viele Menschen von dieser schmerzhaften Erkrankung betroffen?
Lange Zeit war das Syndrom durch die fehlenden bildgebenden Möglichkeiten nur schwer zu diagnostizieren. Heute sind wir durch fortgeschrittene technische und therapeutische Möglichkeiten in der Lage, eine schnellere und genauere Diagnose zu stellen und damit dem Leidensdruck der Betroffenen früher zu begegnen.

1959 erstmals beschrieben, konnte das Syndrom erst genauer definiert werden, nachdem die Kernspintomografie ab den 1980er-Jahren für die Diagnostik von Knochen- und Gelenkerkrankungen eingesetzt wurde. Durch die viel exaktere Darstellung des Krankheitsbildes im Knochen konnte die medizinische Forschung ein Krankheitskontinuum nachweisen, das seinen Ausgang bei einem Knochenmarködem nimmt und im schlimmsten Fall mit dem Absterben des Knochens enden kann.

Bild eines Kernspinresonanzgerätes

Mögliche Ursachen für die Erkrankung sind verschiedene Grunderkrankungen, Durchblutungsstörungen, Überbelastungen oder Traumata des Knochens. Bei Sportlern entstehen oft Kleinstfrakturen durch Überlastung, etwa wegen eines stark gesteigerten Trainings vor Wettkämpfen. Knochenbrüche, Prellungen und andere Verletzungen sind also die Hauptursachen.

Außerdem treten Knochenmarködeme auch als Folge anderer Knochen- und Gelenkerkrankungen wie Arthrose oder Rheuma auf. Diabetes und bestimmte Stoffwechselstörungen gelten auch als Auslöser eines Knochenmarködems. Tumore können ebenfalls als Ursachen gelten, sind jedoch gesondert zu betrachten.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Stadium der Erkrankung.

Die Ursachen eines Knochenmarködems sind also:

  • Überlastung bzw. Verletzung (Knochenbruch, Prellung, sog. „Bone bruise“)
  • Durchblutungsstörungen (sog. ischämische Perfusionsstörungen)
  • Begleiterscheinung bei anderen Erkrankungen (Diabetes mellitus, Stoffwechselstörungen, Arthrose, Rheuma, Tumor)

Eine Durchblutungsstörung des Knochens entsteht zumeist durch eine venöse Stase (Störung des Abflusses), wodurch es zur Ansammlung von Flüssigkeit im Extrazellularraum (zwischen den Zellen) kommt.

Knochenmarködeme treten vor allem ab dem 30. Lebensjahr auf. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Krankheitsbild und Symptome

Wir haben jetzt die Hauptursachen für die Entstehung der Krankheit betrachtet und wenden uns der für Betroffene wichtigsten Frage zu:

Welche Anzeichen müssen Sie als Patient beachten, um möglichst früh die richtige Behandlung zu erhalten?

Zunächst möchte ich erklären, was im Knochen passiert, wenn sich ein Ödem aufbaut.
Die Flüssigkeitsansammlung im Knochen führt zu einer Erhöhung des Innendrucks im Zellzwischengewebe. Durch diesen Verlauf werden Nervenfaserenden im Knochenmark und -gewebe freigelegt und irritiert. Als Folge davon kommt es zu Mikrofrakturen und damit zusammenhängenden Schmerzen.

Diese Schmerzen treten charakteristischerweise zunächst als Belastungsschmerz auf, bald jedoch auch als Ruheschmerz, der häufig den Schlaf raubt und sich als therapieresistent erweist, also auf herkömmliche Schmerzmittel kaum anspricht. Betroffene leiden unter einer massiven Einschränkung ihrer Mobilität und Lebensfreude.

Läuferin sitzt auf dem Boden auf einer Rennbahn und hält sich das linke knie vor Schmerzen

In den Füßen von Läufern werden im MRT häufig Knochenmarködeme sichtbar. Zunächst gehen diese nicht immer mit Beschwerden einher. Laut Studien haben sogar 80 Prozent der beschwerdefreien Sportler (untersucht wurden die Füße von Läufern), aber auch ein Drittel der Allgemeinbevölkerung Knochenmarködeme. Schmerzen werden also erst dann verursacht, wenn der Knochen schon verletzt ist. Wenn im MRT ein Knochenmarködem ohne Risse oder Frakturen sichtbar wird, sprechen Mediziner von „Bone bruise“ (Knochenprellung).

Wenn Sie also eine Schwellung mit einem länger andauernden Belastungsschmerz nach einer Prellung oder Verletzung bemerken, wenden Sie sich möglichst bald an einen Spezialisten. Je früher ein Knochenmarködem behandelt wird, umso größer sind die Chancen auf eine vollständige Heilung ohne Langzeitschäden.

Diagnose

Alle Formen des Knochenmarködems beginnen mit einer akuten Phase.
Warten Sie bitte nicht, bis die Schmerzen unerträglich werden und Ihnen den Schlaf rauben!

Wenn ein Knochenmarködem zu starken Beschwerden führt, ist es häufig schon in einem fortgeschrittenen Stadium angelangt. Ein MRT kommt als diagnostisches Mittel in der Mehrheit der Fälle zu spät zum Einsatz, sodass eine Diagnose des Knochenmarködems erst im chronischen Stadium erfolgt. In diesem Fall ist eine Gefahr von irreversiblen Schäden am Knochen gegeben.

Das MRT bietet die einzige Möglichkeit, ein Knochenmarködem mit Sicherheit zu diagnostizieren. Mikrofrakturen werden auch in einem Dünnschicht-CT sichtbar. Für die Bestimmung des auslösenden Faktors für das Knochenmarködem werden eine ausführliche Anamnese und ergänzende Laboruntersuchungen gemacht.

In histologischen Proben der Flüssigkeitsansammlung aus dem betroffenen Bereich ließen sich fleckförmige, flüssigkeitsgefüllte Areale, Fettzellen und Wucherungen des Bindegewebes nachweisen. Sehr häufig bilden sich Knochenregenerate an den Mikrofrakturen, das bedeutet, am Knochen sind Heilungsvorgänge erkennbar.

Ärztin im weißen Kittel mit Stethoskop gibt die rechte Hand

Besonders schwierig, aber von erheblicher Bedeutung für die Therapie ist in vielen Fällen die Unterscheidung zwischen einem reinen Knochenmarködem-Syndrom, das in der Regel von selbst verheilt, und einer Knochennekrose im Frühstadium. Eine Knochennekrose ist das Absterben eines Knochenbereichs und äußert sich in einem Knocheninfarkt, also dem Einbrechen des Knochens. In diesem Fall bricht innerhalb von Monaten bis wenigen Jahren die Gelenkoberfläche ein mit daraus folgenden schweren Arthrosen.

Das viel seltener auftretende, reine Knochenmarködem-Syndrom heilt meist zwischen einem halben bis eineinhalb Jahren von allein wieder aus. Es muss aber betont werden, dass die Diagnose und Therapie einer häufig zugrunde liegenden Vorerkrankung auch in solchen leichten Fällen Priorität haben.

Bei einer auf den Knocheninfarkt folgenden Arthrose ist der Verlauf meist in Phasen gegliedert, wobei Schmerzphasen mit Gelenkschwellungen sich mit Phasen der Besserung abwechseln. In solchen schweren Fällen wird der behandelnde Arzt eine Kombination von therapeutischen Möglichkeiten wählen, womit wir bei den Behandlungsmöglichkeiten des Knochenmarködems angelangt sind.

3 Therapieformen nach der Diagnose Knochenmarködem

Das Ausmaß der Knochenschädigung und die klinische Symptomatik bestimmen die Art der Therapie.

Es soll hier noch einmal betont werden, dass eine möglichst frühe Diagnose einen erheblichen Einfluss auf den Heilungserfolg hat.

Häufig warten Betroffene viel zu lange ab, bevor sie einen Spezialisten konsultieren. In vielen Fällen kann ein operativer Eingriff vermieden werden, wenn die Behandlung frühzeitig beginnt.

Eine komplette Entlastung des Gelenks mithilfe von orthopädischen Stützen wird auch heute noch empfohlen, bei Sportlern wird ein modifiziertes Trainingsprogramm erstellt. Die medikamentöse Schmerzbehandlung (ASS, Paracetamol, NSAR, im Einzelfall Corticosteroide) zur ersten Linderung der Symptome steht zunächst im Vordergrund. Eine nicht zu unterschätzende Rolle in der langfristigen Therapie spielt auch eine Änderung des Lebensstils (Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung, Einstellen des Rauchens).

Ein Anbohren des betroffenen Gelenks zur Ausleitung der Flüssigkeitsansammlung gilt heute als antiquierte Therapieform, die nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommt.

In den letzten Jahren wurde eine deutlich angenehmere Methode entwickelt, um das Knochenmarködem effektiv zu behandeln.

1. Symptomatische Therapie

Eine totale Entlastung der betroffenen Knochen (Krückengehen) für 6 Wochen, wie sie bisher üblich war, kann in deutlich reduzierter Dauer erfolgen. MRT-Verlaufsuntersuchungen geben dem Arzt die Möglichkeit, die Knochenheilung zu verfolgen.

2. Medikamentöse Therapie

Knochenmarködeme sprechen auf Schmerzmittelgabe nur sehr schlecht an, die Ursachentherapie steht im Vordergrund.

3. Kernspinresonanztherapie

Neben klassischen Behandlungsmethoden wie dem Anbohren des Knochens oder der Durchführung einer 5-tägigen Infusionsserie während eines stationären Aufenthaltes, die zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Kopfschmerz, Übelkeit und Blutdruckschwankungen führen kann, hat sich die Kernspinresonanztherapie als vielversprechende Therapieform entwickelt.

Die Kernspinresonanztherapie wird zur Behandlung des Knochenmarködems als nichtinvasive Therapieform (ohne operativen Eingriff) eingesetzt und hat sich bestens bewährt. Diese Therapiemethode ist zur Behandlung der Osteoporose mit Studien abgesichert und wurde auch beim Knochenmarködem mit großem Erfolg eingesetzt. Aufgrund der guten klinischen Ergebnisse während der derzeit laufenden Studien kann die Kernspinresonanztherapie als eine schmerzfreie Alternative zu den oben genannten Methoden angesehen werden.

Frau liegt in einem Kernspinresonanzgerät - MBST von OpenSystem

Behandlung eines Knochenmarködems mit der Kernspinresonanztherapie

Zur Behandlung eines Knochenmarködems liegt der Patient für neun jeweils einstündige Behandlungen in einer modernen therapeutischen Liege, die ein hoch energetisches, frequenzüberlagertes, spezifisches Magnetfeld zur Therapie und Entfernung des Ödems erzeugt. Die Untersuchungen drei Monate nach der durchgeführten Therapie sind in allen bisherigen Fällen höchst zufriedenstellend, zumeist stellen die Patienten bereits nach der fünften Therapie eine deutliche Schmerzbesserung fest. Wenn die untere Extremität betroffen ist, ist eine Entlastung der geschädigten Knochenstruktur durch Krückengehen zumeist nur mehr für drei Wochen erforderlich.

Dr. Gründlers Fazit

„Ein Knochenmarködem kann nur von einem Spezialisten exakt diagnostiziert werden und sollte möglichst früh behandelt werden. Im Vordergrund steht dabei die Ursachenforschung, also das Erkennen und die Therapie der häufig zugrunde liegenden Erkrankung oder Verletzung. Es gibt heute einige sehr effektive Behandlungsmöglichkeiten, mit denen Patienten schnell von ihrem Leidensdruck befreit werden können. Wenden Sie sich bei länger andauerndem Belastungsschmerz und Schwellung rasch an den spezialisierten Arzt Ihres Vertrauens, um Langzeitfolgen zu vermeiden.“

Weitere Informationen über die Anwendung der Kernspinresonanztherapie erhalten Sie jederzeit persönlich

Für weitere Fragen stehen wir, das Team um Dr. Johannes Gründler Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Machen Sie doch gleich einen Termin für Ihre persönliche Therapie in unserer Ordination in Wien aus.

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